Jesus hilf! Immer „online“ mit IHM?

Das Wort zum Sonntag - 5.11.2016

Als Flüchtlingsfamilie aus Ostpreußen vertrieben, waren wir bettelarm. Meine Mutter saß mit uns drei kleinen Kindern im Straßengraben. Keiner wollte uns damals aufnehmen. Etwas später in unserer Einzimmerwohnung, zu viert in einem Bett, lernten wir, auch als Kinder, mit Aushilfsarbeiten unser Brot zu verdienen. Lebensmittel waren sehr kostbar und durften nicht verderben oder entsorgt werden. Das gilt für mich bis heute noch. Darum habe ich häufig schmunzelnd gesagt: „ Es ist besser, wenn es mir schlecht wird, als wenn Lebensmittel verderben.“ Das sage ich jetzt nicht mehr.  
 
An einem Abend sah ich ein Joghurt in meinem Kühlschrank mit dem Verfalldatum des Tages. Obwohl ich wusste, dass es wahrscheinlich länger halten würde, aß ich es sicherheitshalber. Es schmeckte mir zwar nicht besonders. Aber für mich musste das so sein. Mir ging es weiter gut. Ich hatte später bei mir noch eine Gruppe mit lebhaften Gesprächen und danach eine gute Nacht. Am nächsten Morgen, nach meinem Toilettengang, veränderte sich die Situation. Ich bekam plötzlich Schweißausbrüche und dachte daran, wieder ins Bett zu gehen. Ich fühlte mich auf einmal ganz schwach, mir wurde es schwarz vor Augen und ich dachte: „Bis ins Bett schaffe ich es nicht mehr.“ Ich hörte mich noch: “Jesus hilf,“ sagen. Einige Zeit später lag ich nicht im Bett, sondern ich fühlte mein Umfeld ab und stellte fest: ich lag im Bad. Ich war lang auf den Boden gefallen. Nicht auf das Waschbecken oder die Badewanne. Ich hatte weder einen Knall gehört, noch hatte ich Kopfschmerzen oder einen blauen Flecken. Aber ich fühlte mich noch schwach und brauchte den ganzen Tag, um mich zu erholen. Ob es nun am Joghurt lag, kann ich nur vermuten. Am Abend ging ich aber wieder meinen geplanten Aufgaben nach. 
 
Diese Erfahrung war für mich so wichtig, dass ich sie mehrfach weitererzählt habe und auch hier weitergebe. In der Bibel in Psalm 50 Vers 15 steht: „Rufe mich an in der Not, so will ich Dich erretten, und Du sollst mich preisen.“ Das bedeutet für mich nicht nur, dass ich ihn in der Not anrufe und dann seine Hilfe erfahre. So habe ich es ja tatsächlich erlebt,  sondern dass ich ihm mein ganzes Leben anvertraue. Im Alltag lese ich in der Bibel und erfahre Jesu Worte als Wahrheit. Sein Heiliger Geist schenkt mir immer wieder Freude, Kraft und Ermutigung. So kann ich mit Gott ständig in Verbindung sein. Mit ihm reden, auf ihn hören, beten und singen. Ich kann also immer „online“ mit IHM sein.
 
Dieses für mich wichtige Erlebnis hat auch die Ängstlichkeit vor ungewissen Situationen verändert. Denn in der Bibel  im Römerbrief Kapitel 8, Vers 28 steht auch: „Denen die Gott lieben werden alle Dinge zum Besten dienen.“ So kann ich umfallen, weil ich krank und schwach bin, oder aber ich bin tot und mein Leben geht bei Jesus weiter. Denn er hat gesagt: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ So steht es im Johannesevangelium Kapitel 14, Vers 19.