Versöhnung

Das Wort zum Sonntag  -  24.7.2010

VersöhnungVergeben ist schon sehr schwer, aber Versöhnung geht noch viel tiefer und ist auch weitreichender. Vergebung kann einseitig geschehen und macht den frei, der vergibt. Der andere braucht gar nichts davon zu wissen oder zu erfahren. Es kann sein, dass wir gar nicht merken, wenn wir jemanden verletzen.

Aber in offenen Streitigkeiten gibt ein Wort das andere und Missverständnisse und Verletzungen geschehen meistens auf beiden Seiten.

lm Kindergarten, den ich viele Jahre leitete, ergab sich folgende Situation: An einem Morgen las ich eine Geschichte vor, in der sich zwei Kinder heftig gezankt hatten. Danach entstand eine so offene Atmosphäre, das Werner plötzlich erzählte, wie seine Eltern sich einmal angeschrien hatten. Er malte das sehr anschaulich mit Kraftausdrücken aus. Dann sagte er: „Mein Vater und meine Mutter, als die sich gestritten haben, da konnte mein Vater sich zuerst gar nicht vertragen." lch meinte, dass sich zu vertragen auch ganz schwer sei. Darum müssten wir das im Kindergarten auch immer wieder üben und lernen. "Ja", sagte er, "mein Vater, der war ja auch nur ein Jahr im Kindergarten."

Nach solchen Missstimmungen erfolgt meistens keine Aussprache. Alle Beteiligten tun später so als sei nichts gewesen. Bei der nächsten Auseinandersetzung kommt dann alles wieder hoch. Für eine gute Streitkultur brauchen wir Kenntnisse und Zeit.

Dazu gibt es in der Bibel ein hilfreiches Wort. In den Sprüchen Salomo Vers 18,17 steht: "Ein jeder hat zuerst in seiner Sache Recht. Kommt aber der andere zu Wort, so findet es sich." Deshalb ist eine wichtige Voraussetzung, dass ich den anderen auch wirklich zu Wort kommen lasse und meine Meinung ebenfalls klar ausdrücken darf. Manchmal ist sogar ein längerer "Findungsprozess" nötig. Das heißt, es braucht Zeit, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Eine gute Hilfe ist das "aktive Zuhören". Es bedeutet, dass ich genau hinhöre, was mir mein Gesprächspartner mitteilen möchte. Letztlich bedeutet Versöhnung für mich: Das jeder aussprechen darf, was ihn verletzt hat, ohne es zu kommentieren oder zu verstehen. Es ist ein Lernprozess, sich gegenseitig stehen zu lassen. Für uns Christen, ist es hilfreich unser Anliegen im Gebet gemeinsam an Gott abzugeben und uns gegenseitig zu vergeben.

"Bekennet einander eure Sünden und betet für einander, das ihr gesund werdet," steht im Jakobusbrief Vers 5,16. Jeder steckt immer wieder in einem Vergebungsprozess. Alles, was ans Licht kommt, will Gott vergeben und heilen. Wir dürfen uns und anderen vergeben, uns mit unserer Lebensgeschichte versöhnen oder mit jemanden, der es auch will. Versöhnung erfolgt erst dann, wenn Vertrauen durch eine veränderte Einstellung von beiden Seiten möglich wird.

Die tiefste Versöhnung aber kommt von Gott. Er sandte seinen Sohn Jesus zur Versöhnung für alle, die an Ihn glauben. Diese Versöhnung kann schon hier beginnen und dauert bis in Ewigkeit.

Vergebung

Das Wort zum Sonntag - 13.3.2010

Vergebung"Das werde ich ihr oder ihm nie vergeben, und vergessen kann ich es schon gar nicht." Solche Aussagen hat sicher schon jeder von uns einmal gehört. Oder auch vielleicht schon gesagt? Reinhold Ruthe schreibt in seinem Buch "Vergebung - Herzstück der Seelsorge": "Wer nicht vergeben kann, ist liebesunfähig, beziehungsunfähig und konfliktunfähig.

Zusammenleben ohne Konflikte, ohne Verletzungen, ohne bewusste oder unbewusste Kränkungen ist unmöglich. Vergebung ist wie "Schmieröl" für ein reibungsloses Miteinander im Zusammenleben."

Diese Erfahrung haben mein Mann und ich in unserer langjährigen Ehe auch gemacht. In der Bibel steht im Epheserbrief 4,32: "Vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat durch Christus". Das klingt so leicht, ist am Anfang aber nicht so.

Bei Streitigkeiten fühlt sich jeder erst einmal im Recht. Wer soll den ersten Schritt zur Vergebung tun? Denn Verletzungen entstehen häufig durch unterschiedliche Sichtweisen und Missverständnisse. Wir haben uns gemeinsam entschieden, in der Haltung der Vergebung zu leben. Wir müssen nicht alles verstehen. Aber wir dürfen lernen, uns gegenseitig stehen zu lassen. Das haben wir in unserer Ehe bis zum Schluss geübt. Uns war es wichtig, eine geklärte Beziehung zueinander und zu Gott zu haben. Außerdem wollten wir, so es an uns liegt, "Frieden mit jedermann haben". (nach Römer 12,18).

Dies bewegte meinen Mann in der letzten Phase seiner Krankheit sehr. So sagte er in den letzten Wochen vor seinem Tod mehrfach: "Wenn ich jemanden verletzt habe, so würde ich ihn gerne um Vergebung bitten". Das betraf auch seinen Berufsbereich. Als Leiter der Bauaufsicht musste er stets gesetzmäßig handeln. Das Gesetz traf manche hart, obwohl er immer nach Lösungen suchte.

lm Glauben ist Jesus des Gesetzes Erfüllung. Weil wir es nicht erfüllen können, tritt er für uns ein. So hatte ich in der Friedhofskapelle bei der "Auferstehungsfeier" meines Mannes die Freiheit, nicht nur über unsere letzte gemeinsame Zeit zu berichten, sondern auch stellvertretend für ihn um Vergebung zu bitten. Vergebung macht den frei, der vergibt und den froh, dem vergeben wurde. So erlebe ich Trauer und Verlust, aber auch Erlösung und Erleichterung. Mein Mann hat sein Ziel erreicht und durch Jesus einen Platz im Himmel.

Wie groß das Bedürfnis nach Vergebung ist, zeigt auch die folgende Aussage, die ich dazu fand: "Wenn Wissen unser größtes Bedürfnis wäre, hätte Gott uns ein Universalgenie geschickt. Wenn Technologie unser größtes Bedürfnis wäre, hätte Gott uns einen Technikwissenschaftler geschickt. Wenn Geld unser größtes Bedürfnis wäre, hätte Gott uns einen Ökonomen geschickt. Wenn Unterhaltung unser größtes Bedürfnis wäre, hätte Gott uns einen Entertainer geschickt. Da Vergebung unser größtes Bedürfnis ist, schickte er uns einen Erretter."

Segensspuren

Das Wort zum Sonntag - 9.7.2011

SegensspurenWas fällt uns zuerst ein, wenn wir über unser Leben nachdenken? Sind es eher die positiven oder die negativen Ereignisse? Denken wir mehr an die Menschen über die wir uns gefreut oder über die wir uns geärgert haben? Nach meinen Erfahrungen gibt es keine Person, die nicht irgendwann in ihrem Leben verärgert oder verletzt wurde. Nur wie gehen wir damit um? Müssen wir die alten Geschichten immer wieder aufwärmen oder haben wir uns entschlossen zu vergeben und uns mit unserer Lebensgeschichte zu veröhnen?

Im Juni wurde ich 70 Jahre alt. Das war ein guter Grund noch einmal über mein Leben nachzudenken. Es fielen mir vor allem einige Personen ein, die meinen Lebensweg wohlwollend und unterstützend geprägt haben. Natürlich auch solche, von denen ich mich verletzt oder missverstanden fühlte. Durch Jesus lerne ich immer wieder zu vergeben. Denn so es an uns liegt, sollen wir Christen Frieden mit Jedem haben.

Schon in der Grundschule hat mein Lehrer meiner Mutter, die Kriegswitwe war, empfohlen, mich auf eine weiterführende Schule zu schicken. Was damals für Mädchen außergewöhnlich war. Bei diesem Lehrer habe ich mich bedankt, als mir bewusst wurde, wie entscheidend sein Rat für meine Zukunft war.

Obwohl ich keine guten Ehe- und Familienvorbilder hatte, war es mein Wunsch, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Entschiedene Christen sah ich in meinem damaligen Umfeld nicht. Gott hat uns die Ewigkeit ins Herz gelegt. So suchte ich nach dem Sinn meines Lebens.

Als ich meinen Mann kennenlernte, wurde es unser gemeinsames Anliegen. In unserem ersten Familienurlaub, unsere Tochter war acht Monate alt, entschieden wir uns bewusst, unser Leben nach Gottes Willen auszurichten. Denn in einem Gottesdienst trafen uns die Worte Jesu aus Matthäus 7, 21: "Nicht alle, die zu mir Herr, Herr sagen werden in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen meines Vaters im Himmel tun."

Nach einem Gespräch mit dem dortigen Pfarrer schickte uns dieser zunächst zu Pfarrer Paul Deitenbeck, mit dem wir uns bis zu seinem Tod in der Regel monatlich zum Gebetskreis trafen. Pfarrer Ingfried Woyke und seine Frau Rosemarie haben ebenfalls Segensspuren in unser Leben gelegt. Später kamen noch viele andere Personen dazu, die uns anregende und aufregende Impulse gaben. Gott hat sie in unser und jetzt in mein Leben gestellt. So konnte ich mit meiner Familie, vielen Freunden und Wegbegleitern feiern.

Einer meiner Gäste nannte meine Geburtstagsfeier eine "Love Story", denn Jesus sagt in Johannes 13, 34: "Ich gebe euch ein neues Gebot, das Gebot der Liebe. Ihr sollt einander so lieben, wie ich euch geliebt habe. So werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid."

Es war eine große Freude für mich, die Segensspuren in meinem Leben zu sehen, aber auch die Segensspuren durch mein Leben. So bleibt es für mich spannend. Auch allen Lesern wünsche ich neue ermutigende Entdeckungen bei der Spurensuche. 

Himmlische Gespräche

Das Wort zum Sonntag - 28.7.2012

Himmlische GesprächeWenn die Sonne vom Himmel lacht, tut es uns allen gut. Es gibt ein Lied das heißt: „Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da.." Das können wir auch wirklich erfahren. Darum ist es mir so wichtig es in Gesprächen zu bezeugen. Wir tun fast alles dafür um irdisches Leben zu retten. Wie sieht es aber mit dem himmlischen Leben aus? Darüber wird bei uns außerhalb von Kirchen und christlichen Kreisen kaum gesprochen. Unsere irdische Zeit ist begrenzt, die Ewigkeit aber endlos. Darum steht auf dem Grabstein meines verstorbenen Mannes: „Ewig bei Jesus"

Meine Aufgabe sehe ich nun besonders darin in unterschiedlichen Situationen mit verschiedenen Personen über Glaubensthemen ins Gespräch zu kommen. Manchmal brauche ich dazu viel Mut und Überwindung den richtigen Einstieg zu finden. Im Urlaub geht es leichter. Da kann ich oft schwärmen: „Haben wir es nicht gut, die Sonne scheint, der Himmel ist blau nur im Himmel kann es schöner sein, oder?" So ergaben sich manchmal gute Gespräche.
Inzwischen habe ich eine Visitenkarte auf der rückseitig das Wichtigste steht, nämlich die Worte Jesu: „Ich bin der Weg und die Tür zum himmlischen Vater." Es ist ein „Ticket zum Himmel" ein Impuls über sein Leben nachzudenken.

Wenn ich sehe, dass sich zwei Personen gegenseitig fotografieren, frage ich sie, ob sie ein gemeinsames Foto möchten. So kommen wir ins Gespräch. In einem Fall sagte die Frau, dass sie in ihrem Beruf für das Wohlsein anderer sorge, sie selbst aber völlig erschöpft sei. Im weiteren humorvollen Gespräch sagte ich: „Vielleicht kann Sie dieses Ticket zum Himmel ein wenig ermutigen." Spontan umarmte sie mich und bedankte sich.
Ein weiteres „Ticket" schenkte ich einem älteren Herrn. Er sagte mir zwar, dass er an nichts glaube, sich aber gern einmal mit mir darüber unterhalten würde. In mehreren Gesprächen kam dann seine ganze CVJM-Vergangenheit wieder hoch. Unser Buch: „Neues entdecken-ein Leben lang," hat er danach mit großem Interesse gelesen.

Im Flugzeug erzählte uns der junge Pilot sichtbar am Mikrofon, dass wir noch auf eine andere Maschine warten müssten, er die Verspätung aber aufholen würde. Der Flug war hervorragend. So war es mir ein Anliegen mich bei Ihm zu bedanken. Ich wartete bis die vierköpfige Mannschaft sichtbar war, bedankte mich für den guten Flug und Service und sagte unter anderem schmunzelnd: „Sie schweben immer zwischen Himmel und Erde, darum möchte ich Ihnen allen gerne ein Ticket zum Himmel schenken." Sie nahmen es freudig an und mit dem Piloten ergab sich noch ein kurzes Gespräch.
Bei einer mehrtägigen Busreise waren viele gute Begegnungen mit „Ticketgeschenk" möglich. Auf der Heimreise war es mir wichtig, mich auch im Namen aller am Mikrofon bei den beiden Busfahrern zu bedanken und für sie zu sammeln. Danach habe ich kurz aus meinem Leben erzählt und noch weitere Tickets verschenkt. Unter anderem sagte ich etwa: „Mein Mann ist schon im Himmel und ich möchte da auch hin und möglichst viele dorthin einladen." Beim Abschied sagten einige fröhlich: „Wir möchten auch in den Himmel, aber noch nicht sofort."